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Mit seinen Hinterlassenschaften kulinarischer Gelage ist er berühmt geworden. Nun präsentiert das Bank Austria Kunstforum in Wien eine Überblicksschau zu Daniel Spoerri

Überreste mit Sehnsuchtspotenzial



Daniel Spoerri, Tableau piège, 1970/71

Daniel Spoerri, Tableau piège, 1970/71

Für eine Retrospektive ist es ein guter Zeitpunkt: Ende März konnte Daniel Spoerri seinen 91. Geburtstag feiern, und das Bank Austria Kunstforum in Wien ehrt sein reiches Schaffen mit einer umfangreichen Schau. Herausgekommen ist eine Ausstellung, in der von einem „Round Up“ als Auftakt in der Eingangshalle in loser Chronologie durch das vielgestaltige Werk des am 27. März 1930 als Daniel Isaac Feinstein im rumänischen Galati geborenen Künstlers geführt wird – von seinen frühen Experimenten mit Konkreter Poesie und der Mitbegründung des Nouveau Réalisme bis zum Aufbau seines Künstlergartens in der Toskana.


Mit seinen „Tableaux pièges“, seinen „Fallenbildern“, die seit Anfang der 1960er Jahre entstanden, verwandelte Spoerri Überreste kulinarischer Zusammenkünfte in künstlerische Objekte. Zufällig vorgefundene Konstellationen von Objekten, etwa ein Tisch mit Geschirr, Besteck und Essensresten, wurden nach beendeter Mahlzeit in die Vertikale gekippt, unverändert fixiert und samt Unterlage als Bild an die Wand gehängt: eine Transformation von Leben und Alltag in Kunst – und gleichzeitig eine Annäherung von Kunst an das Leben.

Mit diesen Objekten, einer originellen Form des Stilllebens und einer ganz neuen, quasi buchstäblichen Interpretation des Tafelbildes, hielt Daniel Spoerri einen unverwechselbaren Augenblick, einen einmaligen Realitätsausschnitt, verewigend fest – einen Moment, an dem man selbst gerne teilgenommen hätte. Nimmt das Essen, beschränkt auf die eigenen vier Wände, doch gerade in Zeiten der Corona-Pandemie einen wichtigen Platz in unserem Leben ein, vor allem dann, wenn das gemeinsame Mahl mit Freund*innen, Arbeitskolleg*innen oder dem größeren Familienkreis unmöglich ist. Schließlich geschieht es auch nicht alle Tage, dass man gleichsam Teil eines Kunstwerks wird. Anfang der 1970er Jahre sollen solche Gelage sogar täglich vorgekommen sein. Man aß und trank und rauchte, diskutierte, grübelte oder lachte ausgelassen über Witze, und plötzlich trat Daniel Spoerri zu den Gästen. Was vom Mahl übrigblieb geblieben war, richtete er zu jenen Assemblagen an, die ihn berühmt machten.

Schon 1963 hatte Spoerri die Galerie J in Paris kurzzeitig in ein Restaurant umgewandelt; 1968 eröffnete er das Restaurant „Spoerri“ in Düsseldorf; zwei Jahre später stellte er in seiner Eat Art Galerie Kunstobjekte aus essbaren Materialien und Lebensmittelabfällen aus und veranstaltete ein Eat Art Festival. Auch mehrere der blauen Tische, die er in seinem eigenen Düsseldorfer Lokal – jeden Tag einen – fixieren ließ, sind jetzt in Wien ausgestellt und reizvolle Dokumente des geselligen Zusammenseins: mit Soßenresten beschmierte Teller, Gläser, halbleere Brotkörbe, leere Weinflaschen, abgebrannte Kerzen und gefüllte Aschenbecher. Als hätten die Gegenstände die Schwerkraft überwunden, wird die Aufmerksamkeit auf die Dinge selbst gelenkt und auf eine Erfahrung von Zeit, bei der ein Augenblick eingefroren und ausgestellt ist. In diesen Werken geht es Spoerri nicht einfach nur darum, anekdotische Momentaufnahmen zu konservieren, sondern darum eine abstrakte Komposition mithilfe des Zufalls zu schaffen. Anders als Marcel Duchamp, den Spoerri einmal als seinen Großvater bezeichnete, erklärte er nicht einzelne Gegenstände zu Kunstwerken, sondern ganze Situationen. Insbesondere das gemeinsame Essen als sozialer Akt rückte dabei immer stärker ins Zentrum seiner Arbeit.

Diese „dreidimensionalen Fotografien des Zufalls“, wie Daniel Spoerri selbst seine Assemblagen bezeichnete, stehen im Zentrum der Ausstellung, mit der das Kunstforum den seit 2007 in Wien und Hadersdorf in Niederösterreich lebenden Künstler ehrt. Doch um Spoerris Hauptwerk verstehen zu können, müssen seine Ursprünge vergegenwärtigt werden. Denn die Faszination für das Essen rührt wohl auch von seiner entbehrungsvollen Kindheit her. Sein jüdischer, zum Protestantismus konvertierter Vater war Missionar und wurde 1941 von rumänischen Faschisten umgebracht. Die Mutter floh mit sechs Kindern in ihre schweizerische Heimat. Dort adoptierte ihn sein Onkel mütterlicherseits, von nun an hieß er Daniel Spoerri.

Nach einer Ausbildung und kurzen Karriere als Balletttänzer in der Schweiz ging er nach Paris und wurde 1960 Mitbegründer des Nouveau Réalisme, gemeinsam mit Jean Tinguely, Arman, François Dufrêne, Raymond Hains, Yves Klein, Jacques de la Villeglé und Martial Raysse. Während Yves Klein zu seinem „IKB“, dem charakteristischen Blau seiner Bilder und Skulpturen, und zu seinen Performances fand und Arman zertrümmerte Gegenstände in Objektkästen konservierte, gingen die Nouveau Réalistes Raymond Hains, Jaques de la Villeglé und Martial Raysse vor allem mit in Schichten abgerissenen Plakaten in die Kunstgeschichte ein. Und Spoerri soll noch im selben Jahr in Paris eben sein erstes Fallenbild geschaffen haben.

Die Wiener Retrospektive spiegelt Spoerris diverses Lebenswerk in seiner Dichte wider. Sie stellt die Fallenbilder ins Zentrum und widmet sich vielen Nebenwegen: den seit Anfang der 1960er Jahren entstandenen „Détrompe l’œils“, durch Objekte ins Dreidimensionale erweiterten Gemälden, vorbei an Bronzeskulpturen und Brotteig-Objekten, jenen mitsamt Teig in den Ofen geschobenen Gegenständen wie Schuhen oder Schreibmaschinen, die mit ihrem surrealen Witz zu den schönsten Arbeiten der Schau überhaupt gehören, weiter zu den Assemblagen aus aufgetürmten Flohmarktwaren und den „Fadenscheinigen Orakeln“, Umarbeitungen und Neutextierungen von alten Wandtüchern. Ein eigener Saal der Ausstellung geht auf die „Zimtzauberkonserven“ ein, Assemblagen, für die Spoerri in der Natur gefundene Objekte verwendete und die er 1967/68 während eines einjährigen Aufenthalts auf der griechischen Insel Symi schuf. Gezeigt wird auch der 1968 entstandene Kurzfilm „Resurrection“, der rückwärts von den menschlichen Fäkalien über den blutigen Teller, die Bratpfanne, den Fleischhauer bis hin zur Kuh auf der Weide und dem finalen Kuhfladen führt.

Der letzte Ausstellungsraum handelt vom Anwesen „Il Giardino di Daniel Spoerri“, einem unweit von Siena gelegenen Skulpturenpark, der von Daniel Spoerri 1997 auf einem rund 16 Hektar großen Gelände angelegt wurde und seitdem um immer neue eigene Werke und die von Künstlern und Künstlerinnen, die in seiner Biografie eine Rolle gespielt haben, bereichert wird. Mittlerweile können die Besucher*innen über 113 Installationen von mehr als 55 Künstler*innen, darunter etwa von Eva Aeppli, Meret Oppenheim, Niki de Saint Phalle oder Jean Tinguely, auf dem weitläufigen Gelände entdecken.

Eines der jüngsten Objekte ist „Faux Tableau piège (Mosaiques Années ‘50)“, eine Assemblage von 2010/11, bestehend aus Besteck, Tellern und Kaffeetassen auf einem Mosaiktischchen der 1950er Jahre. Auf die wilden Aufbrüche von Spoerris früher Schaffenszeit blickt man angesichts dieser neueren Arbeiten und im historischen Abstand mit einer gewissen Melancholie. Denn gerade in Zeiten des kollektiven Stillstands sind Spoerris Werke nicht allein Erinnerungsspeicher, sondern Wunschpotentiale gemeinschaftlichen Erlebens.

Die Ausstellung „Daniel Spoerri“ ist bis zum 27. Juni zu sehen. Das Bank Austria Kunstforum Wien hat unter den aktuell geltenden Hygiene- und Abstandsregeln täglich von 10 bis 19 Uhr, freitags bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 11 Euro, für Senioren 8,50 Euro und für 17- bis 27jährige 6 Euro, darunter 4 Euro. Der Katalog aus dem Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König kostet 32 Euro.

Kontakt:

Bank Austria Kunstforum

Freyung 8

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 557 33 26

Telefax:+43 (01) 557 33 27

E-Mail: office@kunstforumwien.at



14.05.2021

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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Veranstaltung vom:


24.03.2021, Daniel Spoerri

Bei:


Bank Austria Kunstforum

Kunstsparte:


Assemblage

Kunstsparte:


Relief

Kunstsparte:


Skulptur

Kunstsparte:


Objektkunst

Stilrichtung:


Nouveau Réalisme

Stilrichtung:


Nachkriegskunst

Bericht:


Künstlerische Wandlungen







Daniel Spoerri, Der General, 1962

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Daniel Spoerri, #26 Flohmarkt Wien. April 2016, 2016

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Daniel Spoerri und Robert Filiou, Rat’s Nest, 1977

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Daniel Spoerri, Tableau Piège. Restaurant Spoerri, 1972

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Daniel Spoerri, Fluxus Pegasus, 1987

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Daniel Spoerri

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in der Ausstellung „Daniel Spoerri“

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Olivier Estoppey, Dies Irae, 2001/02

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Daniel Spoerri, Se laisser manger la laine sur le dos, 1965

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