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Journal

Die Corona-Krise trifft die Kunstschaffenden weltweit hart. Ausstellungen, Künstlerresidenzen und Kunstmessen sind abgesagt oder verschoben. Das führt zu mangelnder Präsenz und Einnahmeausfällen. Wie reagieren Künstlerinnen und Künstler auf die Pandemie? Hannes Egger, Jakob Lena Knebl, Dietrich Klinge und Yvon Chabrowski geben bewegende Antworten auf Fragen zu ihrer aktuellen Situation

Die Chance auf eine neue, bessere Welt



Hannes Egger hofft wie viele Künstler*innen auf Veränderungen durch die Corona-Krise

Hannes Egger hofft wie viele Künstler*innen auf Veränderungen durch die Corona-Krise

„Am Beginn der Ausgangssperre habe ich ganz verbissen an einer Audioperformance mit dem Titel ‚Kitchen Performance or The Order of Things‘ gearbeitet. Ich wollte damit meinen Gemütszustand der ersten Quarantänetage zum Ausdruck bringen und die Situation reflektieren.“ So beschreibt der Südtiroler Künstler Hannes Egger seine aktuelle Lage und seine augenblickliche künstlerische Arbeit. Damals – wie auch heute noch – ist Egger davon überzeugt, dass sich durch das Virus unsere Welt verändert hat. „Die Audioperformance habe ich auf meiner Webseite veröffentlicht, und sie wurde sofort international rezipiert“, so Egger.


„Dann habe ich mich etwas zurückgezogen und erst vor ein paar Tagen eine weitere kurze Audioperformance fertiggestellt. Sie heißt ‚Windows Performance‘ und spielt am privaten Fenster zu Hause. Demnächst wird sie in Korea ausgestellt und wahrscheinlich auch in Mailand. Aktuell arbeite ich an mehreren Projekten, die sich um Freiheit drehen. Eines soll eine Installation in Italien werden, die zweite ist in Belgien geplant. Ob die Werke wirklich gezeigt werden, ist unklar, da die Situation immer noch unübersichtlich ist.“

Denn die Auswirkungen der Corona-Krise sind vor allem Absagen. Hannes Egger berichtet davon, dass Ausstellungen und Residencies gestrichen oder verschoben wurden. „Die derzeitige Situation finde ich noch spannend, vor allem da sich neue Ideen, Möglichkeiten und Netzwerke ergeben. Sorgen mache ich mir über die nächsten beiden Jahre, die könnten sehr schwierig werden. Aktuell nehme ich viel Solidarität in- und außerhalb des Kunstbetriebes wahr, allerdings hege ich die Befürchtung, dass diese zurückgehen wird und es zu den gewohnten, wenn nicht sogar verstärkten Grabenkämpfen kommen könnte.“

Die weitreichenden Schließungen gefährden die ohnehin unsichere Einkommenssituation vieler Kunstschaffender und Veranstalter. Doch stellt Hannes Egger einen europaweiten Tenor fest, dass Künstler*innen in dieser speziellen Situation unterstützt werden müssen, auch wenn die Hilfen von Land zu Land und von Region zu Region recht verschieden sind. „Diesen Konsens finde ich sehr positiv und darauf lässt sich bauen. Im Grunde handelt es sich fast immer um Nothilfen, um aktuelle Engpässe und Ausfälle abzufedern. Da ich davon ausgehe, dass die wirtschaftliche Krise sich massiv erst ab Herbst 2020, vor allem aber ab Frühling 2021 auswirken wird und sich durch das verminderte Steueraufkommen über Jahre die öffentlichen Haushalte verringern werden, geht es darum, mittelfristige Lösungen zu finden.“

Die Künstler*innen und Veranstalter*innen müssten zukunfts- und überlebensfit gemacht, Geld, Zeit, Energie und Ideen gesellschaftlich und individuell gut investiert werden, so Egger. „Wenn die Fördermaßnahmen sofort für Miete, Brot und Milch aufgebraucht werden und sie nicht ermöglichen, die Zukunft zu gestalten, sind sie nur kurzzeitig sinnvoll und ähneln eher Sozialhilfen. Eigentlich geht es aber darum, ein System zu schaffen, welches Leben und Überleben garantiert. Die Modelle sind vielfältig und müssen an die jeweilige Situation angepasst werden, und natürlich braucht es einen gesellschaftlichen und politischen Konsens dazu. Ob dieser in einer angespannten wirtschaftlichen Situation zu erzielen ist bzw. hält, ist fraglich. Allgemein würde ich sagen, geht es darum, zu überlegen, wie die Zukunft aussehen kann und aussehen soll, und in diese Richtung ist mit den adäquaten Mitteln mutig hin zu steuern. Wir haben gerade die Chance, eine neue, wenn möglich bessere, Welt zu schaffen, und diese Chance sollte von uns allen genutzt werden.“

Auch Jakob Lena Knebl argumentiert in eine ähnliche Richtung. Für die Wiener Künstler*in, die mit dem Schweizer Kurator Marc-Olivier Wahler eben an ihrer Ausstellung in Genf arbeitet und mit Karola Kraus sowie Ashley Hans Scheirl den Österreichischen Pavillon für die inzwischen auf das Jahr 2022 verschobene Biennale in Venedig konzipiert, hätten viele Ein-Personen-Unternehmen bei den Hilfspaketen durch die Finger geschaut. Sie stünden nun vor den Scherben ihrer Existenz. „Als Verfechterin eines bedingungslosen Grundeinkommens fände ich etwas in der Art notwendiger denn je“, so Knebl. So sollten Künstler*innen, die als extern Lehrende in Universitäten tätig sind, feste längerfristige Zusagen erhalten.

Da Galerien, Offspaces und Museen wieder öffnen dürfen, hofft Jakob Lena Knebl auf eine wieder erstarkende Sichtbarkeit der Kunstschaffenden. „Die Krise könnte auch andere Formate stärken, wie Kunst im öffentlichen Raum. Aber man wird mit Eröffnungen anders umgehen müssen“, so Knebl. „Ganz schwierig ist es für Festivals, Clubs, Messen, da die Reisefreiheit immer noch beschränkt ist.“ Dem Lockdown konnte Knebl auch einige positive Aspekte abringen, etwa besser Zeit für Reflexion und die Vertiefung der Methoden. „Ich versuche, wann immer es möglich ist, zuversichtlich zu bleiben, und hoffe, dass bald ein bereits existierendes Medikament zugelassen wird, bis zur Impfung.“

Eine längerfristige Perspektive nimmt Dietrich Klinge in der Diskussion um die Corona-Pandemie und das Herunterfahren des Lebens ein. Für den 66jährigen deutschen Bildhauer gab es immer Jahre, wo plötzlich nichts mehr ging. „Es war seit jeher ein Auf und Ab, und das ist jetzt wieder so.“ Natürlich mache die Situation auch vor ihm nicht Halt. Es hätten sich Ausstellungen verschoben oder seien abgesagt worden. Galeristen, die mit Kunden kommen wollten, hätten ihn auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet. „Meine Situation ist aber nicht so dramatisch, wie für viele Kollegen und Künstlern aus anderen Sparten. Wir leben hier auf dem Land und sind von den Einschränkungen und auch der existenziellen Bedrohung nicht betroffen wie Menschen in den Metropolen, die in kleinen, teuren Wohnungen mit Kindern leben, und die vielleicht ihre Arbeit verloren haben.“

Für die in Berlin und Leipzig lebende Yvon Chabrowski gehen die Einschnitte schon etwas tiefer. Eigentlich hätte die Videokünstlerin ein Stipendium in der Villa Serpentara in dem südlich von Rom gelegenen Bergstädtchen Olevano Romano antreten sollen. Doch durch die Corona-Pandemie wurde daraus nichts. Nun arbeitet sie aus ihrem Studio heraus, spricht von Zeit zu Zeit mit Julia Trolp und Julia Draganovic in der Villa Massimo in Rom sowie mit Clara Herrmann von der Jungen Akademie der Künste in Berlin, die ihr das Stipendium verliehen hat, wertet ihre Recherche zu „Bodies in Transition“ für die Innogy Stiftung aus und konzipiert das Skript für eine neue Video‐Performance.

Da Yvon Chabrowski generell daran interessiert ist, welche Körper-Bilder uns umgeben und prägen, wie sich im Zuge der Deindustrialisierung neue Körper-Bilder entwickeln und wie diese in Beziehung zu den gesellschaftlichen Verhältnissen treten, fragt sie sich, ob die Krise der Gegenwart eine Krise der Körper und ihrer Repräsentation ist. „Künstlerische Arbeit sollte immer honoriert werden. Die Tätigkeit von Künstler*innen wird oft nicht als geleistete Arbeit wahrgenommen. Das muss sich ändern“, so Chabrowski. Daher ist sie grundsätzlich der Auffassung, dass jede Arbeit fair honoriert werden sollte. „In der aktuell sich schnell wandelnden globalen Arbeitswelt muss der kapitalistische Dumping-Lohn-Wahn gestoppt werden. Ich fordere Bildung für jeden und jede Bürgerin, egal wo und welcher Herkunft, ein Ende der neoliberalen Wirtschaft, die nur auf Gewinnsteigerung abzielt, und das bedingungslose Grundeinkommen.“



04.06.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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