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Journal

Die Corona-Pandemie hat Museen weltweit gezwungen, ihre Häuser und Ausstellungen zu schließen. Jacqueline Rugo hat Karola Kraus, der Direktorin des Wiener Museums moderner Kunst, Fragen zu den Konsequenzen gestellt

Keine Boulevardisierung von Museen



Karola Kraus äußert sich zu den Folgen der Corona-Pandemie für ihr Haus und die Kunstwelt

Karola Kraus äußert sich zu den Folgen der Corona-Pandemie für ihr Haus und die Kunstwelt

Der durch den Corona-Virus ausgelöste Lockdown tangiert alle Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens. Auch in Wien haben seit Anfang März alle Kultureinrichtungen geschlossen. Kulturschaffende bangen um ihre Jobs, Ausstellungen und Festivals wurden abgesagt, Messen verschoben, Theater und Konzerthäuser zugesperrt. Langsam deuten sich am nahen Horizont Öffnungsszenarien an. Wie es dann genau weitergeht, weiß noch niemand. Über die Folgen der Pandemie und konkrete Planungen für die kommenden Wochen und Monate berichtet Karola Kraus, die Generaldirektorin des Wiener Museums moderner Kunst, in einem Email-Interview.


Jacqueline Rugo:
Die österreichischen Museen können ab Mitte Mai schrittweise öffnen. Die Bundesmuseen wollen den Betrieb erst später aufnehmen. Wie planen Sie derzeit für die Zukunft? Werden die ursprünglich projektierten Ausstellungen stattfinden? Sind Großausstellungen mit internationalen Leihgaben weiterhin finanzierbar oder wird es eine Konzentration auf die Sammlung und Präsentationen österreichischer Künstler*innen geben?

Karola Kraus:
Seit der Schließung am 11. März arbeiten wir auf Hochtouren an einer Neustrukturierung des Ausstellungsprogramms für 2020 und 2021. Dieser inhaltliche, logistische und wirtschaftliche Balanceakt auf hoch volatilem Terrain ist uns, wie ich glaube, sehr gut gelungen. Denn natürlich sehen wir uns weiterhin unserem Auftrag als das österreichische Bundesmuseum für die internationale Kunst und die österreichische Kunst im internationalen Kontext verpflichtet.

Das bedeutet: Die Ausstellungen „Gelebt“ von Ingeborg Strobl und „Steve Reinke. Butter“ wurden wenige Tage vor der Museumsschließung eröffnet und würden im Sommer enden. Diese Ausstellungen laufen nun bis in den Herbst bzw. in den Winter hinein. Die für 30. April geplante Eröffnung der Ausstellungen zu Andy Warhol haben wir auf Ende September verschoben und entkoppelt. Ein Projekt aus der Warhol-Trias, die Ausstellung „Misfitting together. Serielle Formationen der Pop Art, Minimal Art und Conceptual Art“ mit zentralen Werken aus unserer Sammlung wie dem „Mouse Museum“ und dem „Ray Gun Wing“ von Claes Oldenburg sowie mit Arbeiten von Lutz Bacher, Hanne Darboven, Robert Indiana, Jasper Johns oder Roy Lichtenstein, um nur einige zu nennen, werden wir unseren Besucher*innen bereits zeigen, wenn wir das Haus wieder öffnen. Die Ausstellung von Hugo Canoilas, dem Kapsch Preisträger 2020, wird zum geplanten Zeitpunkt eröffnen. Die weiteren, ursprünglich für 2020 geplanten Projekte, eine Ausstellung von Heimo Zobernig sowie eine Sammlungspräsentation, welche die Sammlungspolitik der letzten zehn Jahre nach meiner Antrittsausstellung, dem „Museum der Wünsche“ widerspiegelt, werden auf das nächste Jahr verschoben.

Jacqueline Rugo:
Reduzierte Besucherzahlen, verursacht durch die Schließung in den vergangenen Wochen, haben große finanzielle Einbußen zur Folge. Viele Mitarbeiter*innen mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Mussten Sie Mitarbeiter*innen entlassen?

Karola Kraus:
Bis auf systemerhaltende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir einen Großteil unserer Belegschaft in Kurzarbeit geschickt, Entlassungen gab es keine.

Jacqueline Rugo:
Die zu erwartenden Restriktionen werden auch nach Öffnung der Museen zu Einnahmeverlusten führen. Welche konkreten Vorhaben sind gefährdet?

Karola Kraus:
Ein Ausstellungsbesuch nach der Wiedereröffnung wird anders sein als vor dem 11. März. Wir müssen Eröffnungen, Führungen, Workshops sowie das Arbeiten in unserem Kunstvermittlungsatelier neu denken. Da unser Programm diskursiv angelegt ist, spielt die Kunstvermittlung in unterschiedlichen Formaten neben der kontemplativen Kunstbetrachtung eine zentrale Rolle. Solange die gesundheitspolitischen Maßnahmen und die Sicherheitsvorkehrungen nicht gelockert werden, werden wir unser wöchentliches Kinoprogramm vorerst nicht fortführen können.

Jacqueline Rugo:
Max Hollein hat unlängst in einem Interview angeregt, dass neben der finanziellen Unterstützung für große kulturelle Einrichtungen vor allem auf kleinere Kulturinstitutionen, unterstützenswerte Initiativen und Künstlerinnen und Künstler geschaut werden sollte, die finanziell nicht gut aufgestellt sind. Wie beurteilen Sie die Situation für Österreich?

Karola Kraus:
Die Kulturszene ist extrem heterogen, entsprechend vielfältig sind die Bedürfnisse und entsprechend flexibel und unbürokratisch müsste die finanzielle Hilfe sein. Obwohl die Kulturstaatssekretärin finanzielle Unterstützung zugesagt hat, stehen alle Kunstschaffende vor einer großen Herausforderung, denn es wird lange dauern, bis die Krise überwunden ist. Um eine bessere Basis für das Überleben von Künstler*innen und der institutionalisierten Kunst zu schaffen, ist Selbstreflexion über die eigenen institutionellen Paradigmen eine Voraussetzung. Künstler*innen sollten nicht als Gäste des Museums betrachtet werden, sondern als Teil der DNA und der Identität der Institution. Solidarität und Zusammenarbeit zwischen Institutionen mit ähnlichen Aufgaben werden in Zukunft noch wichtiger, nicht nur für ihren eigenen Nutzen, sondern auch für den der Künstler*innen.

Jacqueline Rugo:
Viele Kulturinstitutionen bieten während der Zwangspause digitale Angebote an. Bekommen Sie Rückmeldungen, in welchem Ausmaß und von welchen Interessenten diese Offerten angenommen werden? Planen Sie das virtuelle Angebot in Zukunft zu erweitern?

Karola Kraus:
In der Krise wurde uns sehr deutlich vor Augen geführt, dass die virtuelle Realität eine wichtige Basis für Kommunikation ist. Wir haben innerhalb des Teams über digitale Kanäle neue Kommunikationsstrukturen aufgebaut und halten über die Social Media-Kanäle den Kontakt zu unseren virtuellen Besucher*innen bzw. Followern aufrecht. Hier ist es uns wichtig, auch neuen digitalen Content zur Verfügung zu stellen: Auf unserem neu etablierten Blog „Out of the Box“ publizieren wir Beiträge von Künstler*innen, die auf die aktuelle Situation reagieren. Wir geben Einblicke in die mumok Sammlung, veröffentlichen Tipps von Kurator*innen und zeigen DIY-Projekte für Kinder. Außerdem kann die mumok Sammlung online über die Website abgerufen werden, und unsere App gibt Einblicke in die sich im Dornröschenschlaf befindenden Ausstellungen. Das Scratch Lab für Kinder, das wir im letzten Jahr als erstes Museum weltweit etabliert haben, wird ebenfalls digital weitergeführt.

Die Überbrückung von sozialer und physischer Distanz mittels Virtualität, mit der wir nun konfrontiert sind, wird die Produktion und Vermittlung von Kunst in Zukunft noch stärker beeinflussen als bisher. Aber sie wird auch die physische Begegnung mit Kunst in einem realen Raum noch interessanter und aufregender machen. Ein Museum als ein Ort der Begegnung und der Kommunikation, bei dem das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund steht, kann durch nichts ersetzt werden. Hier spielt die Atmosphäre eine Rolle, das architektonische Setting, das Display, das Licht, der Sound – das lässt sich digital schwer erleben.

Jacqueline Rugo:
Neben den allgegenwärtigen Ängsten und Sorgen hoffen derzeit nicht wenige Menschen auf positive Resterinnerungen nach dem Ende der Krise, etwa auf Entschleunigung, Bewusstheit, Zusammenhalt, Gesundheit und Umwelt. Die Aufgabe der Kunst sollte nach Alexander Kluge die Bildung eines „Gegen-Algorithmus“ sein – eine nicht allein persönliche, soziale und politische Herausforderung, sondern auch eine thematische Stimulanz und Provokation für die Anfertigung von Texten, Musik, Filmen und Kunstwerken. Museen könnten als „Werkstätten“ neue Aufgaben übernehmen. Können Sie abschätzen, ob die Entwicklungen der letzten Wochen einen thematischen Einfluss auf das künftige Programm ihres Hauses haben wird?

Karola Kraus:
Die Rahmenbedingungen haben sich seit der Wirtschaftskrise verändert und folgen zunehmend rein ökonomischen Überlegungen, die ein bildungspolitisch orientiertes Ausstellungsprogramm, das nicht nur den bestehenden Publikumsgeschmack und den Trend zur Eventkultur bestätigt, in ihren Grundlagen bedroht. Eine umsichtige Programmplanung muss daher bestehende Problemfelder in Kunst und Gesellschaft berücksichtigen und in sachlich sowie fachlich angemessener Form darauf reagieren. Wir legen schon immer großen Wert darauf, dass wir in unserem Ausstellungs-, Sammlungs- und Vermittlungsprogramm die soziale, analytische, experimentelle und philosophische Funktion der Kunst betonen. Die Erfüllung eines kommerziell orientierten Blockbusterprogramms war nie unser Anliegen, und daher sind wir auf eine Zukunft vorbereitet, in der eine weitere Boulevardisierung von Museen in Frage gestellt wird. Diese Situation birgt eine Chance, die Bildungs- und Aufklärungsfunktion der Künste zu stärken und zu betonen.

Die deutsche Kunsthistorikerin Karola Kraus, geboren 1961 in die kunstsinnige Schwarzwälder Industriellenfamilie Grässlin, ist seit 2010 Generaldirektorin des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien. Ihr Vertrag wurde vor kurzem um fünf weitere Jahre verlängert.

Kontakt:

Museum Moderner Kunst - Stiftung Ludwig Wien

Museumsplatz 1

AT-1070 Wien

Telefon:+43 (01) 525 00

Telefax:+43 (01) 525 00 13 00

E-Mail: info@mumok.at



25.04.2020

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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